Innerhalb weniger Tage haben zwei verheerende Stallbrände in Deutschland zum grausamen
Tod von insgesamt mehr als 10.000 Tieren geführt. Am 4. Juli verbrannten in Melle
(Niedersachsen) 580 Schweine – überwiegend Ferkel – bei lebendigem Leib; am 7. Juli starben
in Bresegard bei Picher (Mecklenburg-Vorpommern) rund 10.000 Hühner in einem industriellen
Mastbetrieb. Das Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln sieht darin keine tragischen Einzelfälle,
sondern das Ergebnis eines systemischen Versagens in Bezug auf den vorbeugenden und
abwehrenden Brandschutz in der Nutztierhaltung.

„Während für Wohnhäuser Brandmelder Pflicht sind, enden Stallbrände für die darin
befindlichen Tiere immer wieder in einem qualvollen Massensterben. Das ist ethisch nicht mehr
tragbar und politisch unverantwortlich“, so Dr. Claudia Preuß-Ueberschär, Sprecherin des
Tierschutznetzwerkes Kräfte bündeln.
„Diese Brände sind keine zufälligen Unglücke, sie sind das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit auf
allen politischen Ebenen. Die Tiere sterben nicht durch Feuer – sie sterben durch fehlende
Konsequenz in Gesetzgebung und Vollzug. „Man nimmt in der „Branche“ den Tod der Tiere aus
ökonomischen Gründen billigend in Kauf“, so Dr. Claudia Preuß-Ueberschär weiter.

Bereits in einem Offenen Brief an Bundesminister Cem Özdemir (BMEL) vom April 2024 wurde
auf folgende Missstände hingewiesen:

– Laut Fachquelle „Stallbrände“: in den Jahren 2019 bis 2023 knapp 11.000 Brandereignisse in
Tierhaltungen mit ca. 500.000 toten Tieren.

– Seit 2018: mindestens 182.000 Schweine durch Brände gestorben.

– fehlende Umsetzung der angekündigten Aufnahme von Brandverhütungsmaßnahmen und
Einrichtungen zur Brandbekämpfung in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
Die Verantwortung wird zwischen Bund und Ländern hin- und hergeschoben – der Bund könnte
handeln, tut es aber nicht.

Folgende Sofortmaßnahmen gegenüber den Stallanlagen müssen umgehend umgesetzt
werden, um den Schutz der Tiere sicherzustellen:

1. Sofortige gesetzliche Pflicht zum Einbau von Brandmeldesystemen mit direkter Aufschaltung
zur Feuerwehr, Notausgängen (Notausgänge sind vorgesehen, nutzen nur leider nichts, da
Tiere nicht unbedingt Fluchtverhalten zeigen und die Welt draußen meist gar nicht kennen!)
und feuerfesten Brandabschnitten – auch in bestehenden Anlagen. Bestandsschutz darf keine
Todesgarantie sein. Ausreichende Löschwasserversorgung vor Ort.

2. Verbot des Weiterbetriebs von Stallanlagen ohne nachgewiesenem Brandschutzkonzept mit
realer Rettungsperspektive für Tiere.

3. Einführung eines bundesweiten Kontrollsystems, eine Art TÜV für Stallanlagen mit
unangekündigten Überprüfungen durch unabhängige Stellen – inklusive Sanktionsbefugnis.

4. Sofortige Sperrung und Stilllegung von Anlagen bei wiederholten Verstößen oder fehlender
Umsetzung – ohne Übergangsfristen.

5. Aufnahme von Brandschutz in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, für alle Tierarten
und für alle Haltungsformen und -stufen.
Als Mindeststandards müssen die in der Baugesetzgebung festgelegten Schutzziele gelten –
auch für Bestandsstallbauten. Diese Schutzziele gewährleisten, dass im Brandfall eine sichere
Rettung, die Verhinderung der Brandausbreitung und die Umsetzung des gleichrangigen
Rettungsanspruches von Mensch und Tier ermöglicht wird.

6. Einrichtung eines staatlichen Fonds zur Unterstützung von Landwirten beim
brandschutzgerechten Umbau – gekoppelt an klare Fristen und Kontrolle.

7. Sofortige Anpassung bzw. Umsetzung des Landesbaurechts sowie auf Bundesebene des
Musterbaurechts in Sachen Brandschutz in Tierhaltungsanlagen durch gesetzliche
Festschreibung des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes.

Das Netzwerk fragt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Reiner erneut, wie bereits im April
2024:

„Wann endlich wird gehandelt? Wie viele Tiere müssen noch bei lebendigem Leib verbrennen,
um solchen Katastrophen endlich wirksam entgegenzuwirken?“

Die Politik hat mit dem Umbau der Tierhaltung auch den Schutz vor vermeidbarem Leid
versprochen. Dieses Versprechen bleibt eine leere Floskel, solange Tiere in industriellen
Tierhaltungsanlagen umkommen, ohne je eine Chance auf Rettung zu haben und erleiden
durch die politische Untätigkeit den größtmöglichen Schaden – sie sterben bei lebendigem Leib
den Flammentod.

„Wir bleiben dran!“ ist die Botschaft aller im Tierschutznetzwerk vertretenen NGO`s und
Einzelpersonen.

Die Pressemitteilung im PDF-Format ist hier abrufbar.